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Hänschen - der Nachthimmel

Es war schon weit nach Mitternacht, als Hänschen den Catharinenberg verließ. Das ungewohnte, viele Bier hatte ihn ein wenig müde gemacht, und die vielen Bilder, ausgelöst durch die lebhaften Gespräche mit den alten Freunden, geisterten durch seinen Kopf. Aber es war schön gewesen, die alten Spießgesellen wieder zu treffen, mit ihnen zu lachen und fest zu stellen, wie sehr sich alle verändert hatten, ohne sich wirklich zu verändert zu haben. Sie waren alle die alten geblieben.
Kurz blieb Hänschen unter dem Vordach stehen, fädelte den Reißverschluss der Lederjacke ein, nahm einen tiefen Zug der frischen, kühlen Nachtluft und schaute dann zum Himmel hinauf. Der Mond war fast voll und wirkte wie eine ferne Laterne. Eine Vielzahl von Sternen, die hier auf dem Lande besonders klar zu sehen waren, zogen sich übers gesamte Firmament.
Damals, mit Marie, hatte er diesen Himmel oft so gesehen. Und etwas von dem Sternenglanz und der Tiefe des Weltalls fand sich stets in ihren Augen wieder. Das war zwar ein anderes Bild, doch der Eindruck war derselbe. Und der Himmel blieb es auch, sommers wie winters. Ob von ihrer Bank aus betrachtet oder auf dem Rücken liegend in Falkenstein, wo sie nach ihren Strandparties an der Ostsee auf dem warmen Seesand im Schlafsack zu übernachten pflegten.
Morgen würde er sich ein Rad leihen, beschloss Hans, und wie früher den Weg zum Strand machen. Er liebte das Meer sehr, es bedeutete „Heimat“ für ihn, obwohl es Freiheit war, die er spürte, wenn er über es bis zum Horizont schaute und den im Blick kleiner werdenden Schiffen seine Gedanken hinterher schickte. Die ostsee war hier selten gefährlich, das waldreiche, sanft hügelige Hinterland nahm viel von dem Gefühl Urgewalt, das an der Nordsee oft zu spüren war.
Gerade als er den ersten Schritt auf den Gehweg machen wollte, öffnete sich die Tür. Ein Arm schob sich unter den seinen, und als Hans sich umblickte, sah er in Martinas Gesicht, die sich leicht an ihn lehnte.
„Wo schläfst du eigentlich heute?“ fragte sie, „willst du bei mir übernachten?“
„Nett von dir, Tina. Danke. Aber sei mir nicht böse, weil ich ablehne. Ich muss den Kopf erst mal wieder frei kriegen, und dazu bleib’ ich am liebsten allein.“
„Na ja,“ zuckte sie mit den Schultern, „vielleicht später mal. Wo wohnst du denn und wie lange bleibst du?“
„Ich hab’ ein Zimmer im Bärenkrug. Mal gucken, vielleicht für ne Woche. Wir sehen uns also wohl noch.
„Das wäre schön," lächelte sie ihn an. "Gute Nacht, Hans.“ Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange, ging zu ihrem Auto, stieg ein und winkte im Vorbeifahren kurz herüber.
Erst dann machte Hans den ersten Schritt in die in die Richtung seines Hotels, das unweit auf der gegenüber liegenden Straßenseite lag.
1.5.06 18:54
 


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